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Wird die KI Hilfe oder Jobfresser sein?

Beginnen wir zur Auflockerung mit einem aktuellen Beispiel: Die Regierung hat sich in den letzten Wochen mit mehreren Themen beschäftigt. Besonders viel Zeit und Energie beanspruchte die Beschäftigung mit der in Wahrheit völlig sinnlosen Spritpreis-Bremse. Ähnliches gilt für die geplante Mehrwertsteuersenkung auf Lebensmittel, wo man noch immer die Gegenfinanzierung sucht. Das intensive Nachdenken über angeblich populäre Maßnahmen im Cent-Bereich bindet Energien und Ressourcen, sodass man sich zu wenig intensiv mit den wirklich großen Problemen im Staate Österreich beschäftigt (Pensionen, Reformen bei Gesundheit und Föderalismus usw.). Würde man die Micky-Maus-Themen wie Spritpreisbremse & Co. an die KI übertragen, hätte man erstens mehr Zeit für die großen Dinge und man würde eventuell schneller merken, wenn man auf dem Holzweg ist. Vielleicht hätte die KI bei den Budget-Verhandlungen ein besseres Ergebnis geschafft...


Jede fragt sich, ob er durch KI ersetzt werden kann

So, aber jetzt einmal Spaß beiseite, das Thema der Bedrohung von Arbeitsplätzen durch Künstliche Intelligenz ist ein ernstes. Natürlich gibt es jede Menge Studien und Untersuchungen, welche Jobs durch KI bedroht sind. Fürchten müssen wir uns nicht, glaubt der führende Arbeitsmarktexperte, AMS-Chef Johannes Kopf. Seine These lautet: Trotz so bahnbrechender Einführungen wie dem Smartphone oder dem Internet ist die Zahl der insgesamt Beschäftigten in Österreich in den letzten 30 Jahren deutlich gestiegen. Es fallen Jobs weg durch neue Techniken, aber es werden dafür neue Berufsbilder geschaffen.


Warum KI uns zur Ausbildung und Arbeitszeitverkürzung zwingt


Natürlich gibt es Untersuchungen, wonach der Einsatz der KI langfristig hunderttausende Arbeitsplätze vernichten wird. Die werden wohl kaum 1:1 ersetzt werden durch neue Jobs. Doch Kopf vermutet wohl nicht ganz zu unrecht, dass ein Resultat dieser Entwicklung das sein wird, was wir auch in den vergangenen 20-30 Jahren beobachtet haben: Das ist der Trend zu Arbeitszeitverkürzung. Die Zahl der insgesamt geleisteten Arbeitsstunden ist in etwa gleich geblieben, während sich die Arbeitszeit pro Kopf deutlich reduziert hat.


Es gibt natürlich Bereiche, die besonders gefährdet sind, von KI-Agenten ersetzt zu werden. Das betrifft z. B. Berufseinsteiger bei Bürojobs. Diese verrichten zu Beginn oft einfachere Tätigkeiten, suchen Material aus Archiven, bereiten Unterlagen und Meetings vor usw. Das kann billiger und schneller künftig von der Maschine gemacht werden. Es stellt sich allerdings die Frage, wie Betriebe ihre Mitarbeiter ausbilden und in die komplexeren Arbeitsschritte einführen, wenn sie alle Vorstufen ausgelagert haben und dort keinen Menschen mehr brauchen.


Umgekehrt wiederum sind Facharbeiter/innen für körperliche Tätigkeiten, vom Mechaniker bis zum Tischler oder Friseur kaum gefährdet, von der KI ersetzt zu werden. Daraus folgert nicht nur der AMS-Chef, dass Lehrberufe für junge Menschen auch in Zukunft eine sehr sinnvolle Berufswahl sein werden.


Wer vor der KI Angst haben muss


Noch hat die große Welle, bei der Unternehmen Mitarbeiter durch ChatGPT, Perplexity, Google Gemini oder andere Programme ersetzen, zumindest bei uns nicht begonnen. Aber erste Auswirkungen sind in vielen Branchen sichtbar, etwa bei Medienunternehmen, die stark betroffen sein werden. Dort wurden Lektoren, die die Richtigkeit von Texten überprüfen, schon gekündigt und diese Aufgabe den Maschinen übertragen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch niederschwellige journalistische Aufgaben, vom Wetterbericht bis zum TV-Programm usw., von der KI geschrieben werden. Es gibt etwa in der Schweiz bereits Zeitungen, die zum Großteil nicht mehr von Menschen gemacht werden. Das spart Kosten und Personal. Es wird wohl im Verlag Experten geben müssen, die den finalen Check machen und den KI-Agenten bedienen ("prompten" heißt das auf neudeutsch, dass man dem die richtigen Fragen stellt). Das wird wohl ein "neuer" Job sein, der hohe Anforderungen stellt, aber wieviele man davon braucht, ist offen.


Fundierte Analysen und Kommentare werden wohl auch in Zukunft von natürlichen Personen verfasst werden, wenngleich die KI so manche Recherche vereinfacht und beschleunigt. Doch irgendjemand muss stets darauf achten, dass die Fehler, die Maschinen machen, nicht durchlaufen bis zu den Empfängern. Die Folgen sieht man jetzt schon, wenn Fake News aus Social Media oder seltsamen Plattformen sich im Internet multiplizieren, weil alle nur von einander abschreiben. Hab ich schon erwähnt, dass dieser Blog ganz ohne KI-Hilfe geschrieben wurde?

 
 
 

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