Beschleunigt Tanken um 120 Euro die Energiewende?
- manfredschumi

- vor 4 Minuten
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Als der Ölpreis die 100-Dollar-Marke locker übersprang, der Dieselpreis auf über zwei Euro kletterte und auch Benzin um über 20% teurer wurde, dauerte es nicht lange, bis die ersten Meldungen im Netz auftauchten: Nachfrage nach Elektroautos zweistellig gestiegen, oder E-Auto-Fahrer lachen sich ins Fäustchen, weil sie keine Verteuerung spüren. Ist Tanken um 120 Euro ein Turbo für die Energiewende, besser als jede Förderung? Das darf bei genauer Betrachtung bezweifelt werden.

Als erste Euphorie-Bremse erschien vor wenigen Tagen eine Studie des Unternehmensberaters EY, wonach die 19 größten Autokonzerne der Welt im Vorjahr stolze 60 Milliarden Euro abschreiben mussten. Der Grund ist, dass die überambitionierten Hoffnungen, die Welt werde sich über kurz oder lang nur mehr elektrisch fortbewegen, nicht aufgingen. Besonders in den USA und Europa mussten Milliarden auf geplante Batteriewerke, verschobene oder abgesagte Fabrik-Projekte und eingestellte Modelle abgeschrieben werden. In China läuft es vor allem deswegen besser, weil die Autos (der überwiegend lokalen Hersteller) dort deutlich billiger als Verbrenner sind. Damit mich niemand missversteht: Natürlich ist die Elektromobilität gekommen, um zu bleiben. Aber es wird auch andere Antriebsformen noch lange geben. Das haben mittlerweile sogar jene Berater erkannt, die noch vor kurzem das Ende des Ende des Dieselmotors prophezeiten. Mittlerweile sieht man, dass der Markt sich zu einer "diversifizierten Antriebslandschaft" entwickelt.
Natürlich schmerzt es die Autofahrer, wenn sie für einen vollen Tank bei einem Mittelklasse-Pkw schon einmal 120 Euro oder sogar mehr hinlegen müssen. Es sind aber in der Regel nicht gerade die sozial Schwachen, die solche Autos fahren. Dazu gäbe es genügend Möglichkeiten, seine Kosten zu reduzieren, indem man z.B. auf der Autobahn langsamer fährt oder in der Stadt öfter auf Öffis oder Fahrrad umsteigt. Abgesehen davon glaubt wohl kaum jemand, dass die Spritpreise jetzt auf Jahre so hoch bleiben werden.
Es gibt zwei Hauptursachen für die fehlende Akzeptanz rein elektrisch angetriebener Pkw bei privaten Käufern: Da ist zum einen die noch immer mangelnde Infrastruktur und zum anderen die noch immer zu hohen Preise. Wer ein Einfamilienhaus mit eigener Solarstrom-Erzeugung besitzt und sein Auto selber quasi gratis laden kann, ist fein heraußen. Das ist aber eine Minderheit und für alle anderen kann es mühsam sein. Laden geht nun einmal nicht so schnell und einfach wie tanken. Dass man mehrere "Ladekarten" für unterschiedliche Anbieter braucht, die unterschiedliche Preise je Kilowattstunde haben, ist eine Zumutung. Wer auf der Autobahn von Wien nach Tirol fährt und in Salzburg "zwischentanken" muss wird schnell sauer, wenn keine Schnellladestation frei ist. Ganz abgesehen davon, dass die Strompreise tendenziell anziehen werden, wenn die Elektromobilität mehr Nachfrage erzeugt.
Die Politik versucht mit Förderungen, die Milliarden kosten, den Absatz von E-Autos zu erhöhen. Sie will mit Geldgeschenken und Steuergutschriften die Energiewende erzwingen, die eigentlich eine so sinnvolle Sache sein sollte, dass es dazu keine Subventionen braucht. Diese Botschaft ist noch nicht angekommen. Nur zögernd kommen billigere Modelle auf den Markt. Am beliebtesten sind noch immer Plug-In-Hybride, die sowohl elektrisch als auch mit Sprit fahren. Die Hersteller passen sich bereits an die Realität an. Mercedes hat angekündigt, noch bis mindestens 2040 Verbrenner in seinem Programm zu führen, ähnlich sieht das BMW. Die Motoren werden ständig verbessert und abgasärmer. Nicht zu vergessen: Auch bei der Herstellung von Batterien fällt z. B. ein CO2-Ausstoß an. Studien besagen, dass ein E-Auto erst ab einer Fahrleistung von 90.000 km eine bessere Öko-Bilanz hat als ein Verbrenner.
Erwähnen sollte man noch, dass die Autofahrer nur ein kleiner Mosaikstein bei der großen Energiewende sind, die sämtliche Bereiche des Lebens erfasst.




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