Die Illusion von der niedrigen Inflation
- manfredschumi

- vor 15 Minuten
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Die Teuerung in Österreich, seit Monaten mit Werten um vier Prozent eine der höchsten in Europa und doppelt so hoch wie im Schnitt der Eurozone, wird 2026 wohl sinken. Doch dass wir uns schon bald der Zwei-Prozent-Zielmarke der Ökonomen nähern bzw. diese bereits erreichen, ist eine Illusion. Denn vor allem die öffentliche Hand und sogar viele Teile der privaten Wirtschaft sorgen dafür, dass die Preise ständig weiter steigen. Daher wird man noch lange einen Dreier vor den monatlichen Inflations-Werten sehen. Das schmälert unsere Kaufkraft genau so wie die Wettbewerbsfähigkeit des Landes.

Beim Reizthema Energie ist im Jänner 2026 zwar zunächst Entlastung angesagt. Das Auslaufen diverser Maßnahmen ("Strompreisbremse") im Jänner 2025 sorgte damals für einen Inflationsschub. Da dieser jetzt wegfällt ("Basiseffekt"), wird die Teuerung im Jänner zurückgehen. Sie wird nach Ansicht der Wifo-Experten aber noch immer bei über drei Prozent verharren. Denn wird sie von anderer Seite kräftig befeuert: Als Preistreiber Nummer Eins agiert die öffentliche Hand. Die selben Politiker, die ständig davon reden, dass sie die Teuerung stoppen wollen, heizen sie im selben Atemzug wieder an. Der Preisstopp bei Gebühren war gestern. Jetzt wird wieder voll zugelangt, bei Bund, Ländern und Gemeinden. Die Passgebühren und der Führerschein z. B. wurden schon Mitte 2025 erhöht, die Vignette, die Netzgebühren für Gas, die e-card-Gebühr und die CO2-Bepreisung steigen heuer, um nur einige Beispiele zu nennen.
Der Staat bleibt der Preistreiber Nummer eins
Die Bundesländer stehen da nichts nach. Anstatt Doppelgleisigkeiten bei den Förderungen zu kappen oder nach Synergien durch Zusammenlegungen zu suchen, wird ebenfalls an der Gebührenschraube gedreht. Die regionalen Klimatickets werden kräftig verteuert, auch viele andere Öffi-Tarife steigen. Die Gemeinden wollen ihre klammen Kassen füllen, weil das mit dem Sparen bei den Ausgaben halt so schwierig ist. Wien spielt da den Vorreiter und schnalzt von den Öffi-Tickets über die Parkgebühren bis hin zu den Kanalgebühren oder der Hundesteuer alles hinauf. Dafür kann man sich die Gage für sechs (!) "nicht amtsführende" Stadträte von über 11.000 € im Monat leisten... Auch in anderen Gemeinden bekommen die Bürger einen Schreck, wenn sie auf die Betriebskosten ihrer Wohnungen schauen. Kanal- und Abwassergebühren etwa wurden zuletzt exorbitant erhöht.
Im Sog der öffentlichen Hand langen diverse private Dienstleister ebenfalls kräftig zu. Irgendwie hat sich in Österreich die Unsitte eingebürgert, dass jeder Tarif jedes Jahr zumindest "um die Inflationsrate" steigen darf. Da werden Verträge "indexiert", das heißt man lässt sich quasi die Genehmigung für jährliche Erhöhungen im voraus erteilen. Diese Unsitte behindert den Wettbewerb, ist aber bei uns gang und gäbe. Die Versicherungen "passen ihre Verträge an", wie es so schön heißt, die Hausverwaltungen ihre Vergütungen, die Beiträge für die Kammern steigen automatisch mit den Lohnerhöhungen mit, um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Diese großteils hausgemachte Teuerung wird uns noch lange verfolgen und dafür sorgen, dass wir 2026 noch immer eine der höchsten Inflationsraten in Europa haben werden. Zwar ist eine gewisse Zurückhaltung bei den Lohnrunden zu beobachten, doch es wird noch dauern, bis sich das auswirkt. Tatsache ist, dass wir in Österreich eine Lohn-Preis-Spirale "herangezüchtet" haben: Zu hohe Gehaltsabschlüsse seit 2022, die wiederum zu anhaltenden Preiserhöhungen vor allem bei Dienstleistungen führten. Bemerkenswert ist, dass sich kaum ein Wirtschaftsforscher oder Experte traute, vor den negativen Folgen zu warnen, wenn man jedes Jahr die (hohe) Inflation abgeltet und oben noch etwas draufgibt. Die vielen Firmenpleiten (vor allem im Handel) und der anhaltende Personalabbau (vor allem in der Industrie) sind ein Resultat dieser Fehlentwicklung.




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