Wir wollen wieder billig tanken!
Es ist ein ungebrochen beliebtes Gesprächsthema: Wir konnten uns immer schon minutenlang darüber unterhalten, wo man vor kurzem noch billig getankt hat. Viele, die nicht wissen, was ein Liter Milch im Supermarkt kostet, kennen den Unterschied bei Diesel- und Benzinpreisen zwischen Floridsdorf und Horn, zwischen Villach und Graz. Ich habe mich schon selber dabei ertappt, das zu argumentieren: Die "bösen Ölmultis" verdienen es nicht, dass sie auch nur ein paar Cent mehr bekommen als notwendig. Bei jeder Tankstelle, an der ich vorbeifahre, versuche ich mir die Tarife zu merken. Tatsächlich waren früher - also noch bevor der Ölpreis Richtung 100 Dollar und mehr in die Höhe schoss - schon Unterschiede von manchmal zehn Cent und mehr zu beobachten. Bei einem 50-Liter-Kauf macht das immerhin fünf Euro pro Tankvorgang aus. Um dieses Geld könnte man z. B. schon eineinhalb Stunden in einer Wiener Kurzparkzone stehen.

Doch jetzt ist seit längerem bereits Schluss mit lustig. Es gibt keine billigen Zapfsäulen mehr, jenseits von zwei Euro halten sich die Unterschiede in Grenzen, von Wettbewerb fehlt jede Spur. Wenn man auch für einen Kleinwagen über hundert Euro beim Volltanken ausgibt, überlegt man ernsthaft Alternativen wie Eisenbahn oder Fahrrad. Wer sich kein E-Auto leisten kann, wird auf jeden Fall noch länger seinen alten Verbraucher fahren. Wer sein Auto beruflich braucht, muss in jedem Fall die Zähne zusammenbeißen und brennen. Hier kommt jetzt die Politik ins Spiel. Überall in Europa wird auf einmal gefordert, dass man per Gesetz "eingreift". Gerade noch waren die Autofahrer die "Melkkuh der Nation", die regelmäßig mit Steuererhöhungen stärker belastet wurden. Man wusste: Sie schimpfen, aber sie fahren und tanken trotzdem. Mineralölsteuer, CO2-Abgabe und die Mehrwertsteuer obendrauf, rund die Hälfte des Spritpreises fließt an den Staat.
Bis vor kurzem wurde noch damit argumentiert, dass man so die "Energiewende" vorantreiben will. Fossile Produkte sollen teuer sein, damit die Verbraucher auf Elektroauto & Co. umsteigen. Das hat bis jetzt nicht so ganz funktioniert. Zu hohe Preise für E-Autos, schlecht ausgebaute Infrastruktur, oft mangelnde Reichweite, keine Preistransparenz (man braucht mehrere "Tankkarten" zum Laden - das ist ungefähr so, als ob manche Autos nur bei Shell tanken dürfen, andere nur bei der OMV, ein völlig verrücktes System). Der Umstieg wird vielleicht jetzt etwas schneller gehen, wenn Benzin und Diesel langfristig so teuer bleiben.
Doch im hier und jetzt im Jahr 2026 wurde uns klar vor Augen geführt, dass der Ölpreis noch immer ein zentraler Faktor für die Wirtschaft und für die privaten Autofahrer ist und daher auch die Inflation stark beeinflusst. Die tägliche Diskussion dreht sich daher weniger darum, ob der Staat jetzt bei den Energiepreisen eingreifen soll, sondern nur wie er das macht. Unbestritten bleibt, dass der Krieg im Nahen Osten und (bei den Raffineriekapazitäten) auch in der Ukraine die bestimmenden Faktoren sind. Produkte sind knapper geworden, also steigen die Preise. Soweit das Einmaleins der Marktwirtschaft.
Davon profitieren natürlich die Ölproduzenten, die zwar weniger, aber zu höheren Preisen verkaufen. Linke Ideologen verlangen daher eine "Übergewinnsteuer", die Einnahmen könnte der Staat an die Bürger weiterreichen, die besonders unter den hohen Energiepreisen leiden. Das wäre ein massiver Eingriff in die Marktwirtschaft. Die betroffenen Konzerne, z. B. in Europa, hätten gegenüber ihren Konkurrenten in den USA oder Asien massive Wettbewerbsnachteile. Wenn man Unternehmen, die heute hohe Gewinne machen, diese per Gesetz wegnimmt, werden die dann dafür vom Staat beschenkt, wenn sie Verluste schreiben? Die selben Ideologen schreien dann auf, wenn chinesische oder US-Unternehmen europäische Firmen aufkaufen, weil sie in ihrem Land kaum besteuert werden und keine Umweltauflagen haben. Intelligente Lösungen sehen anders aus.
Eine in vielen Ländern populäre Alternative ist, dass der Staat temporär die Steuern auf Treibstoffe senkt. Sogar von einem "Preisdeckel" beim Tanken ist etwa in Deutschland ist die Rede. Das kostet natürlich Geld und reduziert die Steuereinnahmen. Hier rächt sich, dass die meisten Staaten so hohe Budgetdefizite und steigende Staatsverschuldung haben, dass sie sich Ausfälle von mehreren Milliarden Euro kaum leisten können. Eine "homöopathische" Lösung wie die "Spritpreisbremse" in Österreich mit einer Senkung um 1,8 Cent ist im Grunde lächerlich. Das kostet zwar auch Geld, sorgt aber nur für Kopfschütteln bei den Autofahrern und senkt wohl kaum die Inflation.
Im Grunde gibt es nur zwei realistische Möglichkeiten: Entweder man verzichtet auf Eingriffe und hofft, dass der Ölpreis wieder fällt und überlässt es dem mündigen Bürger, bis dahin weniger Auto zu fahren oder sein Haushaltsbudget umzuschichten. Oder man senkt die Spritpreise mit Steuersenkungen gleich um 20-30 Cent, damit es spürbar ist. Damit das nicht voll aufs Budget durchschlägt, kann man natürlich "Gegenfinanzierungen" überlegen. Diese Diskussion dauert bei uns wahrscheinlich länger als die Regierungsperiode. Die einen kommen dann wieder mit ihren Reichensteuern, die anderen mit Einsparungen, die in der Praxis nicht durchzusetzen sind (Stichwort Förderungen, Bürokratie). Man kann sich denken, wie das ausgeht...
Mir und vielen anderen Autofahrern ist das egal, wie wollen eigentlich nur eines: Endlich wieder billiger tanken!





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