Wenn Arbeitslosigkeit und offene Stellen zugleich steigen
- manfredschumi

- 3. Feb.
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Höher als derzeit war die Arbeitslosigkeit in Österreich nur während der Corona-Pandemie. Der Jänner-Wert 2026 mit einer Quote von 8,8 Prozent und 456.000 beim AMS gemeldeten Personen ist abgesehen davon daher rekordverdächtig. Es verwundert auch nicht: Keine Woche vergeht ohne Meldungen über Personalabbau in großen Industrie-Betrieben. Im Handel haben die zahlreichen Pleiten des letzten Jahres ihre Spuren hinterlassen. Das Ende des Anstiegs dürfte noch nicht erreicht sein.
Doch noch immer gibt es eine nicht unbeträchtliche Zahl an offenen Stellen. Das AMS (Arbeitsmarktservice) weist zwar einen Rückgang um zehn Prozent auf rund 68.000 aus. Das Stellenbarometer des Wirtschaftsbundes, das zusätzlich jene Betriebe erfasst, die über andere Plattformen Personal suchen, kommt auf 166.000 Jobs. Da soll es sogar schon einen leichten Zuwachs im Vergleich zum Vormonat gegeben haben.
Noch immer gibt es Unternehmer, die klagen, dass sie kein (geeignetes) Fachpersonal finden. Über die Ursachen zerbrechen sich Experten schon seit Jahrzehnten den Kopf. Natürlich sind speziell im Winter unter den Arbeitslosen solche, die schon eine Wiedereinstellungszusage haben, sobald es wärmer wird (vor allem in der Bauwirtschaft). Dazu kommen jene, die hoffen, dass sie der Betrieb wieder einstellt, sobald die Auftragslage bzw. die Konjunktur wieder besser wird. Das stellen zumindest die Wirtschaftsforscher für die nächsten Monate in Aussicht.
Diejenigen, die keine spezifische Ausbildung haben, tun sich prinzipiell schwerer, etwas zu finden. Nicht zu unterschätzen ist jene Gruppe, die sich im sozialen Netz so eingelebt hat, dass es sich nicht lohnt, einen Job anzunehmen. Scharfe Kritik kommt von Arbeitgeberseite immer öfter an der Stadt Wien, die derart hohe Sozialleistungen angeboten hat, dass z. B. eine Vermittlung in den Westen finanziell uninteressant war. Es ist kein Zufall, dass die Bundeshauptstadt den weitaus größten Anteil an Sozialhilfeempfängern und Asylsuchenden stellt. Schon eine Studie des Wifo aus 2021 belegt, dass Flüchtlinge und Schutzberechtigte ihren Wohnort in Österreich sehr wohl nach der Höhe der Sozialleistungen aussuchen.
Die größte Arbeitsmarkt-Reserve stellen aber jene Asylwerber und Migranten dar, die schon länger im Land sind, aber vom Gesetz her nicht arbeiten dürfen, obwohl sie es wollen. Das ist paradox und ungerecht. Spanien hat sich hier vor kurzem zu einer praxisnahen Lösung durchgerungen: Wer Asyl beantragt, noch keinen Bescheid bekam und bereits sechs Monate im Land ist, erhält eine Arbeitserlaubnis. Eine halbe Million Menschen darf durch diese Regelung legal auf den Arbeitsmarkt. Große Proteste blieben bis jetzt aus.
Denn der Trend für die nächsten Jahre steht fest: Die Babyboomer-Generation geht in Pension. Die schwachen Jahrgänge, die nachkommen, werden den Bedarf am Arbeitsmarkt nicht decken können. Sollte die Konjunktur endlich anspringen, wird sich dieses Problem dramatisch verstärken. Die Wahrheit ist, dass wir in Zukunft ohne Migration nicht genügend Arbeitskräfte finden werden. Daher macht es sehr wohl Sinn, zunächst jene zu nutzen, die bereits im Land sind.
In vielen Betrieben findet man bereits heute einen weiten Nationenmix, vor allem dort, wo Fachkräfte gefragt sind: So beschäftigt Infineon in Österreich Mitarbeiter aus 78 (!) Nationen. Sogar die ÖBB haben Personen aus Syrien, Afghanistan, Nigeria, Vietnam oder Tunesien eingestellt. Im Tourismus findet man familiengeführte Hotels, die bereits Personal aus mehr als 20 Nationen im Haus haben.
Die Arbeitswelt ist gerade dabei, sich durch den vermehrten Einsatz von KI (künstliche Intelligenz) zu verändern. Viele, die ihren Job verloren haben, werden wohl eine neue Ausbildung brauchen, um wieder gefragt zu sein. Was keine Lösung sein kann, ist dass man in der Arbeitslosigkeit auf die Pension "wartet". Da ist die Politik gefordert, gegen Firmen vorzugehen, die noch immer ältere Mitarbeiter aus Kostengründen hinausdrängen. Denn ohne solche Maßnahmen wird die - unvermeidliche - Anhebung des Pensionsalters in Österreich nicht funktionieren.




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