Sieht so eine Kammerreform aus?
- manfredschumi

- vor 2 Tagen
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Die Organisation hat 1836 Funktionäre und 960 Beschäftigte, es gibt sieben Sparten und 69 eigenständige Fachgruppen. Die tausenden zahlenden Mitglieder können da nur den Kopf schütteln. Sie finden, dass das zuviel ist und es da ordentlich Reformbedarf gibt. Geht es dabei womöglich um die Wirtschaftskammer?
Das ist nur ein Teil der Wahrheit. Es geht um die WKO, aber die genannten Zahlen beziehen sich lediglich auf ein Bundesland, nämlich Niederösterreich!! Im ORF erzählte ein Funktionär von Gremien mit massiver Überalterung, Obleuten, die keine aktiven Firmen mehr haben usw.
So ein aufgeblasenen Apparat existiert aber offenbar in jedem Bundesland. Seit dem spektakulären Rücktritt von Harald Mahrer letzten November sind bereits einige Monate vergangen. Mit der Tiroler Touristikerin Martha Schultz gibt es eine neue Präsidentin, die Reformen versprochen hat. Das erste, was ihr die Kollegen aus den Landeskammern ausrichteten, war eine eindeutige Botschaft: Was ihr in Wien in der Bundeskammer macht, geht uns nix an, wir sind selbständig! Das gilt besonders für die Wiener Landesorganisation der WKO, deren feudal herrschender Präsident Herbert Ruck jede Woche für Schlagzeilen sorgt, die nicht nur unter den Mitgliedern Kopfschütteln auslösen. Konsequenzen hat das offensichtlich keine, auch wenn Schultz versprach, dass man sich einige der Ruckschen Alleingänge und seine Personalpolitik "anschauen" werde.
In der Bundeszentrale in der Wiedner Hauptstraße durchleuchten inzwischen die Betriebsprüfer von KPMG die Abläufe, Neueinstellungen gibt es vorerst keine. Ergebnisse verspricht Schultz erst im Sommer, weil man sich ja alles genau anschauen muss. Der Faktor Zeit spielt sicher eine Rolle. Vielleicht vergisst man inzwischen auf die Diskussion über die Zwangsmitgliedschaft oder die Wortmeldungen prominenter Unternehmer, die am liebsten mit dem Bulldozer durch die verkrusteten Kammer-Strukturen fahren würden.
Es wird sich das bestätigen, was Kenner der Kammer schon am Anfang leise vermuteten. Niemand will sich selber abschaffen, daher wird der Versuch einer Reform, der von der bestehenden Organisation und ihre Spitzenfunktionären getragen wird, sehr schnell zum Rohrkrepierer. Stattdessen bräuchte es eine deutlich Blutauffrischung: Statt altgedienten Funktionären jenseits der 60 würden ein paar junge, aktive Unternehmer an der Spitze der WKO guttun. Die unselige Struktur mit den vielen "selbständigen" Fachverbänden, die auf Millionen-Rücklagen sitzen, zu denen nur sie selber Zugriff haben, gehört per Gesetz abgeschafft.
Angesichts der inneren Verkrustung der WKO mag es wie Hohn klingen, wenn man der Bundesregierung zuruft, wo und wie sie Unternehmen entlasten soll. Wer selbst im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Wer eine Senkung der Lohnnebenkosten fordert, aber gleichzeitig selber Kammerumlagen im dreistelligen Millionenbereich von den Betrieben kassiert, der hat irgendetwas falsch verstanden. Letztlich hat die Sache auch eine politische Komponente. Die schwachen Umfragewerte der ÖVP lassen vermuten, dass eine ihrer (früheren?) Kernschichten, nämlich die Wirtschaftstreibenden, bereits in Scharen zu anderen Parteien gewechselt sind. Ein übertriebener Druck seitens der Parteispitze auf den Wirtschaftsbund und die von ihm regierte Kammer ist nicht auszumachen. Das ist schade, denn: Eine wirkliche Reform der WKO an Haupt und Haaren könnte vielleicht helfen, den Exodus an Wählerstimmen zu stoppen. Viel Zeit darf man sich nicht lassen. Bei der Kammerreform muss in Bälde "geliefert" werden, sonst bleibt nur mehr der alte Spruch über diejenigen, die "zu spät kommen...".




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