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Wie kann man die Industrie noch retten?

Tausende Jobs gingen bereits in unserer Industrie verloren

Österreichs Industrie hat im Vorjahr über 20.000 Mitarbeiter verloren. 2024 fand sogar eine noch größere Reduktion von Stellen statt, je nach Quelle waren es bis zu 38.000. Manager, Eigentümer und Branchenvertreter beklagen schon seit Jahren, dass der Standort Österreich aufgrund zu hoher Kosten in vielen Bereichen nicht mehr konkurrenzfähig sei. Die Abwanderung habe bereits eingesetzt, bestätigten schon vor eineinhalb Jahren führende Vertreter der Branche.


Es hat offenbar lange gedauert, bis diese Message in den Köpfen der Politiker angekommen ist und nicht mehr als das übliche Jammern von Lobbyisten abgewunken wurde. Auf einmal hat man erkannt, dass wir dabei sind, Wertschöpfung zu verlieren. Dass Leitbetriebe sich zweimal überlegen, ob sie noch im Inland investieren sollen oder doch lieber dort, wo der Faktor Arbeit nicht so stark belastet ist. An jedem Leitbetrieb hängen unzählige Zulieferer, die alle vom Abwärtssog erfasst werden.


Die aktuelle Regierung hat erkannt, dass es hier fünf vor Zwölf (oder schon nach?) ist und will mit ihrer "Industriestrategie" gegensteuern. Das Ziel, das Industrieland Österreich wieder unter die "Top Ten" in Europa zu bringen, klingt gut und ambitioniert. Doch es stellt sich schon die Frage, ob das überhaupt realistisch und obendrein nicht schon zu spät ist. Denn aktuell ist es noch immer so, dass praktisch jede Woche neue Meldungen von Werksschließungen und größerem Mitarbeiterabbau auftauchen. Das ist nicht nur in Österreich so. In einer aktuellen EU-Umfrage geben 90% (!) der Manager an, dass sie Kürzungen beim Personal erwarten.


Bei uns kommt erschwerend dazu, dass die Industrie eben schon seit Jahren in der Rezession steckt. All die guten Ideen, von der Forcierung der Schlüsseltechnologien über die Sicherung strategischer Rohstoffe bis zu den Investitionen in unsere Fachkräfte oder der Entbürokratisierung werden selbst bei ernsthafter Umsetzung ihre Zeit dauern. Außerdem haben wir leider die leidvolle Erfahrung gemacht, dass in der Politik oft die Berge kreißen und ein Mäuslein geboren wird. Zuletzt war das zu sehen bei der großspurigen Präsentation des ersten Paketes zum Bürokratieabbau, das meilenweit von einem großen Wurf entfernt ist.


Noch immer werden z. B. in Großbetrieben dutzende (!) Mitarbeiter beschäftigt, um Nachhaltigkeitsberichte zu verfassen, die mehrere Millionen Euro kosten. Noch immer rennen Kontrollore herum, die jeden Gewerbebetrieb auf den Kopf stellen, um Bestimmungen des 27. Paragraphen Absatz 1.4 zu überprüfen. Noch immer dauern Genehmigungen wochen-, monate- oder sogar jahrelang. Natürlich macht vieles Sinn, aber warum kann man den Unsinn darunter nicht genau so schnell abschaffen wie man ihn eingeführt hat?


Mehr Mut und Tempo bei den Reformbemühungen!


Die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich wieder zu erlangen ist von heute auf morgen unmöglich. Die Lohnsteigerungen von über 30% in wenigen Jahren, mehr als in allen anderen Ländern, werden noch lange ein Klotz am Bein sein. Energie wird trotz staatlicher Hilfen nie mehr so billig sein wie vor 2019. Doch Jammern und Wehklagen hilft nicht weiter. Wenn man ernsthaft die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft in Österreich verbessern will, braucht es vor allem eines: Mehr Tempo und mehr Mut bei den anstehenden Reformen, und das rasch, bitte!


Statt die nächste Kommission einzusetzen gehören Beschlüsse her: Bei der Reform des Föderalismus, beim Bürokratieabbau, im Gesundheitswesen. Dort könnten jene finanziellen Mittel freiwerden, die man für eine nachhaltige Vorwärts-Strategie braucht, in der Industrie und in der Wirtschaft allgemein. Das würde vor allem dazu beitragen, den von vielen beschworenen Stimmungsumschwung in Gang zu bringen. Wenn Frau und Herr Österreicher den Eindruck bekommen, dass endlich etwas weitergeht in diesem Land, dann wäre das erste Pflänzchen für den wirtschaftlichen Aufschwung gesetzt, den sich alle herbeisehnen. Vielleicht trägt sogar der Druck von außen dazu bei, dass wir endlich das Tempo erhöhen: Denn der tägliche Trump-Wahnsinn auf der einen Seite oder der Kriegstreiber Putin auf der anderen Seite sollten genug Motivation sein, dass Österreich und Europa nichts unversucht lassen, um zumindest in der wirtschaftlichen Auseinandersetzung ihre größten Vorteile auszuspielen: Eine demokratische und friedliche Gesellschaft und einen Markt mit 500 Millionen Menschen, der alle Chancen bietet.





 
 
 

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